Februar 2012
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Venus Consolatrix
Da kam Stern Lucifer; und meine Nacht erblaßte scheu vor seiner milden Pracht. Er schien auf meine dunkle Zimmerwand, und wie aus unerschöpflicher Phiole durchflossen Silberadern die Console, die schwarz, seit lange leer, im Winkel stand. Auf einmal fing die Säule an zu leben, und eine Frau erhob sich aus dem Glanz; die trug im schwarzen Haupthaar einen Kranz von hellen Rosen zwischen...
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Daß das Weib, wie es die Natur geschaffen und wie es der Mann gegenwärtig...
– Leopold von Sacher-Masoch, Venus im Pelz
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Die Spinne
»Schnöder Undank! — ruft die Spinne, Kaum erst aus dem Ei gekrochen Freßt ihr schon die eigne Mutter; Sagt, was hab’ ich denn verbrochen?« »Wolltest du wohl deiner Mutter Einst den herben Tod ersparen? Was wir dir gethan, das werden Von den Kindern wir erfahren!«
- Adolf Pichler
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Ich bin eine einsame Läuferin. Aber eine Langstreckenläuferin.
– Louise Bourgeois
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Jede Handlung, die etwas mit meinem Schreiben zu tun hatte, war zugleich ein Akt...
– Anaïs Nin
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Eros
Masken! Masken! Dass man Eros blende. Wer erträgt sein strahlendes Gesicht, wenn er wie die Sommersonnenwende frühlingliches Vorspiel unterbricht. Wie es unversehens im Geplauder anders wird und ernsthaft…Etwas schrie… Und er wirft den namenlosen Schauder wie ein Tempelinnres über sie. Oh verloren, plötzlich, oh verloren! Göttliche umarmen schnell. Leben wand sich, Schicksal...
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Die Toten der Revolution
Todgeweihte Leiber trotzig gestemmt Wider den Bund der rohen Bedränger, Löschte Euch Schicksal mit dunkler Gebärde. Wer die Pfade bereitet, stirbt an der Schwelle, Doch es neigt sich vor ihm in Ehrfurcht der Tod.
- Ernst Toller
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Sage mir, wer Dich lobt, und ich sage Dir, worin Dein Fehler besteht.
– Lenin
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Der Steuermann
»Bin ich nicht Steuermann?« rief ich. »Du?« fragte ein dunkler hoch gewachsener Mann und strich sich mit der Hand über die Augen, als verscheuche er einen Traum. Ich war am Steuer gestanden in der dunklen Nacht, die schwachbrennende Laterne über meinem Kopf, und nun war dieser Mann gekommen und wollte mich beiseiteschieben. Und da ich nicht wich, setzte er mir den Fuß auf die Brust und...
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Das Schiff
Das eilende Schiff, es kommt durch die Wogen Wie Sturmwind geflogen. Voll Jubel ertönt’s vom Mast und vom Kiele: “Wir nahen dem Ziele.” Der Fährmann am Steuer spricht traurig und leise: “Wir segeln im Kreise.”
- Marie von Ebner-Eschenbach
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Widerspreche ich mir? Nun gut, dann widerspreche ich mir. Ich bin groß. In mir...
– Walt Whitman
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Die Engel, die nennen es Himmelsfreud,
die Teufel, die nennen es Höllenleid,...
– Heinrich Heine
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So viele Engel
So viele Engel suchen dich im Lichte und stoßen mit den Stirnen nach den Sternen und wollen dich aus jedem Glanze lernen. Mir aber ist, sooft ich von dir dichte, dass sie mit abgewendetem Gesichte von deines Mantels Falten sich entfernen. Denn du warst selber nur ein Gast des Golds. Nur einer Zeit zuliebe, die dich flehte in ihre klaren marmornen Gebete, erschienst du wie der König der Komete, auf...
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Der Gott und die Bajadere
(Indische Legende)
Mahadöh, der Herr der Erde, Kommt herab zum sechsten Mal, Daß er unsersgleichen werde, Mitzufühlen Freud und Qual. Er bequemt sich, hier zu wohnen, Läßt sich alles selbst geschehn. Soll er strafen oder schonen, Muß er Menschen menschlich sehn. Und hat er die Stadt sich als Wandrer betrachtet, Die Großen belauert, auf Kleine geachtet, Verläßt er sie abends, um...
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Es ist erstaunlich, was man alles lernen kann, wenn man will. Jede Gewohnheit...
– Salman Rushdie
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Das Wort
Lebendgem Worte bin ich gut: Das springt heran so wohlgemut, das grüßt mit artigem Geschick, hat Blut in sich, kann herzhaft schnauben, kriecht dann zum Ohre selbst dem Tauben und ringelt sich und flattert jetzt und was es tut, das Wort ergötzt. Doch bleibt das Wort ein zartes Wesen, bald krank und aber bald genesen. Willst ihm sein kleines Leben lassen, mußt du es leicht und zierlich...
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Aus einer großen Gesellschaft heraus ging einst ein stiller Gelehrter zu Haus....
– Johann Wolfgang von Goethe
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Versuchung
Ich stand an einem Abgrund still Und sah hinab und sprach mich an: - Hinab, Unsterblicher, wohlan! Es kostet dich nur ein ,Ich will’. Gott schläft hier ein, Gott wacht dort auf, - So sprachst du selbst. Wohlan! schlaf ein! Nicht einen Nu erlischt dein Sein, Denn Form nur gibst du in den Kauf … - Mein Tagwerk ist noch nicht vollbracht. Wer an der Schale sich vergreift, Bevor sie ihren...
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Das Genie ist die Macht, Gott der menschlichen Seele zu offenbaren.
– Franz Liszt
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Gedenck an die Hölle
In ewigkeit mit schand’ vnd spott sich kleiden/ In ewigkeit nicht wissen aus noch ein/ In ewigkeit vermeiden liechtes schein/ In ewigkeit den wurm des hertzens weiden/ In ewigkeit des Herren antlitz meiden/ In ewigkeit erfahren höllen pein/ In ewigkeit von Gott verstossen seyn/ In ewigkeit die gröste marter leiden Ist mehr als daß es menschen können fassen. Drumb wilt du nicht daß dich Gott...
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